Sehr geehrte Versicherte der SVA,
wie Sie den Medien und Aussendungen der SVA entnommen haben, besteht – soferne in den nächsten drei Tagen kein Wunder geschieht – ab 1. Juni 2010 kein Abrechnungsvertrag mehr zwischen der SVA der gewerblichen Wirtschaft und der österreichischen Ärzteschaft. Wir Ärzte werden dabei mit zweierlei Informationen “bombardiert”: 1) von der SVA, dass diese uns eine 4% ige Erhöhung in der Zuwendungsmedizin gewähren würde, dafür beim “überteuerten” Labor 20% streichen würde. 2) von der Ärztekammer, dass dieses Angebot nur bis Ende 2010 gültig sei und danach in den nächsten Jahren eine schrittweise Anpassung (=Reduktion) der Honorare auf Niveau der Gebietskrankenkassen folgen sollte.
Grundsätzlich ist zum dauernden Vergleich der SVA und GKK-Tarife aus meiner Sicht folgendes zu sagen: die Ärzteschaft ist der GKK extrem (zu) weit in den Honorarverhandlungen entgegengekommen. Dies hat zwei Gründe:
- stellt die GKK ca. 80% der gesamten Versicherten – zumindest in unserer Praxis - im Gegensatz zu den 3-4% Versicherten der SVA. Dies ergibt ein völlig anderes Gesamtvertragsvolumen in einer einzigen Abrechnung (beim Selbständigen heisst so etwas “Mengenrabatt”, von wegen “gleiches Geld für gleiche Leistung” wie von der SVA immer propagiert wird. Die Großindustrie zahlt pro KW Strom auch weniger wie Sie zu Hause, obwohl ein KW Strom immer die gleiche Leistung bringt.)
- Hat die GKK mit Abstand die sozial schwächsten Mitglieder – einschließlich aller Arbeitslosen. Natürlich sind bei den zunehmenden Ein-Mann Betrieben und neuen Selbständigen auch nicht nur die sozial Stärksten, dafür hat die SVA im Gegensatz seit 7 Jahren keine Tarife mehr erhöht. Im Vergleich mit den gestiegenen Kosten (Löhne für Mitarbeiter, Mieten, etc.) entspricht dies ohnehin einer effektiven Honorarreduktion von ca. 20%.
Im Übrigen können wir Ärzte nur den Aussendungen und Anschuldigungen beider Parteien glauben, da wir selber keinerlei Einblick in die laufenden Verhandlungen haben. Ich habe bisher weder ein Schreiben der SVA erhalten, in welchem die geplante Honorarreduktion ab 2011 dementiert wird, noch eines, welches diese bestätigt.
Aus diesem Grund wird auch in unserer Praxis voraussichtlich ab 1.6. 2010 bis auf weiteres KEINE Abrechnung direkt mit der SVA vorgenommen werden. Für den einzelnen Patienten ist dies kein Grund zur Sorge. Die Tarife werden bei uns keinesfalls – wie oft propagiert- sofort massiv angehoben.
In der Hoffnung auf eine baldige Einigung
Dr. Alfred Doblinger